The Unbearables sind ein mehr oder weniger loser Zusammenschluss New Yorker Schriftstellerinnen und Schriftsteller, zu denen u. a. Steve Dalachinsky, Bonny Finberg, Ron Kolm, Carl Watson und Chavisa Woods gehören. Sie gründeten sich Ende der 1980er Jahre angesichts des elenden Zustandes der US-amerikanischen Kultur, insbesondere des Fehlens einer wirklichen literarischen Avantgare. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte Hakim Bey, dessen Werk "Temoräre Autonome Zone" auch im deutschsprachigen Raum für Furore sorgte.
"Die wirklichen Avantgarden", so schreiben die Unbearables Jim Feast und Ron Kolm "sehen wir auch bei Straßenaktionen". So besetzten die Unbearables immer wieder einmal die Brooklyn Bridge und lasen den nach Hause kommenden Geschäftsleuten erotische Gedichte vor. 
Zu den Anthologien der Unbearables gehören "The Crimes of the Beats", "The Worst Book i ever readt" und "The Unbeearables big book of sex"

 

 

Rezension v. Helmuth Schönauer

 

"Wir agierten völlig durchgeknallt"
Eine Anthologie aus New York

 

 

 

 

 

 

Wie bei einer Band tritt das künstlerische Individuum zurück und verneigt sich vor dem Band-Namen: The Unbearables. Die Unausstehlichen sind ein loser Zusammenschluss von New Yorker Avantgardekünstlern, die den Blick weit vorausgerichtet, das Auge tief eingedrückt und das Gehör in den Boden versenkt haben. So erinnern die Unbearables an verschiedene urbanisierte Tierarten, die den Lebenskampf zelebrieren und zu erstaunlicher Höhe emporschrauben. Ab und zu räkeln sich einige von ihnen in der Öffentlichkeit, sprechen am Trottoir jemanden mit einem Gedicht an, lesen von der Brüstung herab einen Zweizeiler oder verstreuen im Schneidersitz ein Poem im Park. Manchmal besetzen die Unbeareables die Brooklyn Bridge „und lesen den nach Hause trottenden Geschäftsleuten erotische Gedichte vor“.

 

Steve Dalachinsky stellt im Reader seine „Hausmeister-Augen“ vor, damit wird die Welt aus stabiler Randposition betrachtet. Der Hausmeister ist einerseits Vertrauter für die Underdogs, andererseits Feindbild für Kriminelle. Er schaut wie Robin Hood auf das Kommen und Gehen im Haus und greift zwischendurch mit einem Joint ein, wenn das Bild zu unerträglich wird.

 

Bonny Finberg erzählt von einer hitzigen Beziehung, die zwischendurch zu verdampfen scheint. „Wenn wir nicht vögelten, zofften wir uns.“ (40) Und dann bleiben die beiden bis zum Morgengrauen wach und analysieren einander.

 

Ron Kolm berichtet von jenem diffusen Grenzgebiet der Wahrnehmung, wo eine ungeladene Waffe losgehen kann, wenn das Drogen-Gestirn günstig steht für einen Schuss. Höhepunkt ist ein Scheißtag, von dem der Held schon vor dem Aufstehen weiß, dass es einer werden wird. (77)

 

Chavisa Woods lässt einen ungelenken Helden nach einem freien Platz suchen. Wie in einem schlechten Kinderspiel ist immer alles besetzt, und sogar Michael Jackson sucht nach einer Melodie, die unsichtbar macht. Im Klassenzimmer voller Zahnspangenkinder geht man während des Schuljahres einfach verloren.

 

Carl Watson stattet seine Helden mit seltsam konkreten Erfahrungen aus, einmal klingt es wie ein Stapel Tissuepapier, der im Keller von einem Hund gevögelt wird (129), in einer Rückblende auf Chicago 1977 wissen die Helden plötzlich nicht mehr, dass sie schon tot sind, und dann gerät eine simple Tour durch die Vorstadt außer Kontrolle. „Manchmal lohnt es sich, paranoid zu sein“. (161)

 

Die Welt der Unbearables liegt vielleicht immer einen halben Meter tiefer als die Welt der gewöhnlichen Menschen. Diese soziale Tieferlegung der eigenen Erlebniskarosse bewirkt ungeheure Bodenhaftung. Wer tiefer unten liegt, hat es weniger weit nach oben, wenn er aufstehen muss. – Ein haptisches Sozialporträt vom abgesenkten New York.

 

 

 

 

 

"Wir agierten völlig durchgeknallt"

Eine Anthologie aus New York
Hrsg. von Ron Kolm

Beiträge von Steve Dalachinsky, Bonny Finberg, Ron Kolm, Carl Watson und Chavissa Woods.

ISBN: 978-3-9504186-8-2

166 Seiten

Preis: 15 €