Christoph Simon

Christoph Simon lebt in Bern.

Mit seinen Romanen "Warum Antilopen nebeneinander laufen"  oder "Planet Obrist" oder wie zuletzt mit seinem wunderbaren Buch "Spaziergänger Zbinden" (alle diese Bücher sind übrigens beim Zürcher Verlag Bilger erschienen) hat sich eine neue große Stimme im deutschsprachigen Raum etabliert. 

 

Wir sind auch ganz stolz, seinen bisher einzigen Gedichtband veröffentlicht zu haben. 

 

Sein neuestes Buch, Swiss Miniatur, ist im Juni 2020 erschienen. 

Werke

Swiss Miniatur

Eine humorvolle Hommage auf die Eigentümlichkeiten des Schweizer Volkscharakters. In 19 rasanten Vignetten offenbart Simon das Skurrile und bisweilen Abgründige hinter der Fassade des Alltäglichen. Mal augenzwinkernd, mal beissend ironisch, jedoch stets mit viel Sympathie und dem ihm eigenen unverwechselbaren Stil skizziert er liebevoll die Marotten seiner Landsleute. Vom Pfadfinder bis zur Diplomkauffrau, von der Fahrschülerin bis zum Bundesrat reicht die Bandbreite der Charaktere in dieser Sammlung von Heimatvignetten der unheimlichen Art.

 

 

Paperback

72 Seiten

ISBN-13: 9783950483376

Erscheinungsdatum: 30.06.2020

ein pony in nachbars park, ein rennpferd in meinem

Swiss Miniatur
Wir haben es schon immer geahnt! Der große, epochale, revolutionäre Roman hat auf einer Seite Platz!
Christoph Simon weitet mit seiner „Swiss Miniatur“ den Begriff „kleine Prosa“ zu einem großartigen Genre aus. In einem Brief an den Verleger, der als Programm und Einbegleitung abgedruckt ist, heißt es etwa: „Gerne wäre ich der Verfasser eines Romans mit dem Untertitel ‚Great Swiss Novel‘: ein breit gefächertes Sittengemälde. […] Ein Heimatroman ‚der unheimlichen Art‘. Eine ‚literarische Expedition‘- Eine Einschlafhilfe. 700 Seiten stark, ein bereits nach dem Erscheinen vergessenes Meisterwerk. […] Nun stehe ich da mit kleiner Prosa. Luftig, leicht und kurz. 70 Seiten dünn, schon vor dem Einschlafen ausgelesen.“ (5)
In dieser Aufzählung ist alles erklärt, was die kleinen Stücke beim Leser bewirken. Wenn bei einer Geschichte nur wenige Sätze zur Verfügung stehen, um die ganze Welt zu erklären, so müssen diese Sätze umso sorgfältiger gesetzt werden. An dieser Behauptung merkt der Leser, dass es sich beim Autor um einen bühnenerfahrenen Schweizer Künstler handelt, der noch nie ein Wort zu viel ausgesprochen hat.
Und tatsächliche, jedes Wort sitzt, weil es nicht von der Stange kommt, sondern sorgfältig und von Hand für die Miniatur ausgewählt worden ist. In den knapp zwanzig Anschnitten zum Alltag geht es immer gleich zur Sache. Eine kleine Abweichung vom gewohnten Tagesablauf löst zuerst Erstaunen aus, dann ein schweres Ringen um die passenden Worte, und schließlich eine Emotion, die den Rauch der Brand-Szenerie noch lange in den Tag hinein wehen wird.
Diese Störungen können jederzeit auftreten, und auch wenn etwas langfristig geplant ist wie der Winterurlaub, kann es zu Irritationen kommen, da beispielsweise an der Tankstelle keine passenden Winterreifen vorrätig sind. Der Fehler liegt oft an der Hardware, das Outfit für den Winter passt nicht oder ein Büro ist falsch eingerichtet. Meistens treten diese Unterbrechungen des emotionalen Datenflusses freilich an der Software auf, das Programm für eine Romanze ist einfach zu idyllisch angelegt und hält der Verwendung in Echtzeit nicht stand.
So sind auch die Überschriften zu den Entgleisungen als wirkmächtige Pillen angelegt, der nachfolgende Text berichtet von den Nebenwirkungen, die entstehen, wenn es jemand mit Wetterumschwung, leerem Büro, Mayonnaise oder Körperpflege zu tun kriegt.
Die kürzeste Geschichte geht so: „Körperpflege // Noah hasst Wasser. Er kriecht unter den Stubentisch, sobald seine Frau die Antirutschmatte in die Badewanne noppt.“ (36) Bei wem das keine tiefenpsychologischen Sub-Geschichten auslöst, der muss wahrscheinlich wirklich zum Seelenarzt.
Die „Swiss Miniaturen“ stehen in jeder Hinsicht am anderen Ende der Globalisierung. Wenn es einen Endverbraucher für diese Geschichten gibt, dann trägt er etwas Schweizerisches im Herzen. Die Weltnachrichten sind nämlich zu kleinen Aerosolen verdampft und legen sich auf abgesiedeltes Gebiet, worin der letzte lokal verankerte Mensch schnauft. Als Faustregel gilt: Die großen Dinge müssen zu einem Lokalereignis werden, damit sie sich wahrnehmen lassen.
In der Geschichte „Lokalereignis“ steigt ein großer Immobilienhai aus dem Geschäft aus und zieht sich in die Einsamkeit zurück, wo es ihm bei einem Anglerunfall ein Auge herausreißt. Jetzt ist er mit der Welt auf Augenhöhe.
Im zweiten Teil der Geschichten steht der kauzige Bundesrat Liechti im Mittelpunkt. Er kann  politisch nur mithalten, weil er die Probleme in so kleine Teile zerlegt, dass sie problemlos ausgeschieden werden können.
Ein methodische Tischvorlage entwickelt aus der Methode „Liechti“ passende erste und letzte Sätze für die „Great Swiss Novel“. „Das Böse war plötzlich da. / Robert hatte eine schöne Kindheit gehabt. / Über den Wolken war das Ozonloch mit den Händen greifbar, aber der Pilot konnte nichts dagegen tun.“ Diese Eingangssätze schaffen es auf Anhieb, eine epochale Erzählung in Schwung zu bringen. Gäbe es diese epochalen Romane schon, man würde sie vermutlich alle kaufen und am Nachttisch stapeln. Wenn man aber schon die Endsätze kennt, erspart man sich vielleicht das Lesen. Der Mensch unternimmt ja bekanntlich alles, um nicht lesen zu müssen. „Das Böse war plötzlich weg. / Und wieder war Bundesrat Liechti unvorsichtig genug, im falschen Moment zu bleiben, statt zu gehen. / Gut, sagte Zellweger, dass man den Behörden in unserem Land noch vertrauen kann.“
Christoph Simons „Swiss Miniaturen“ haben die Zauberkraft einer analogen Welt, die einzelnen Geschichten schmiegen sich passgenau an den Leser, als wären sie extra für ihn persönlich geschrieben. Und eine Geschichte ist schon lange aus, da brät der Leser im eigenen Saft noch weiter.

 

Christoph Simon: Swiss Miniatur. Kleine Prosa.
Zirl: BAES 2020. 68 Seiten. EUR 12,90. ISBN 978-3-9504833-7-6.
Christoph Simon, geb. 1972 in Langnau / Emmental, lebt in Bern.
Helmuth Schönauer 01/09/20

 

In seinem vorliegenden Gedichtband zeigt Christoph seine ganze literarische Verspieltheit, seine Ironie und seinen Witz und seine hintergründige Denkweise.

Der 2009 erschienene Gedichtband "ein pony in nachbars park, ein rennpferd in meinem." von Christoph Simson erscheint 2017 in der Edition BAES in zweiter Auflage.