BaldWienaFolksWaisen

Heinz D. Heisl, Hubert Nedved und Heinz Tobler sind momentan grad auf Tour und begeistern die Zuhörer mit den BaldWiena FolksWaisen
“In unserer Zeit voll von hoffnungslosen Mega-Hits und Shooting-Stars ein hoffnungsvoller Geheimtipp.”

 
Wenn die Musikszene auf etwas nicht gewartet hat, dann auf Wienerlieder von einem Nichtwiener und vielleicht sollte man sich gerade deswegen diese Konzerte ansehen / anhören.  Schmalzig,  bisweilen, vom Schmäh durchsetzt bis hin zu aufrichtigen und zutiefst ernst gemeinten Gemeinheiten kommen die Autorentexte im eigenständi-gen* Soundkleid daher. Ausgehend vom klassischen Wienerlied über den Blues bis hin zum Reggae. Daß dabei ausgerechnet der Wiener Dialekt Verwendung findet ist einfach zu erklären: Wie im Englischen das Cockney (englischer Dialekt in London, der zum Teil mit spezifischen Reimformen arbeitet) bewegt das Wienerische eine über die Maßen musi-kalische Sprachfärbung. Als Komponist und vornehmlich als Textautor greift Heisl unge-niert den Wiener - Ton auf (Zitat: "Im Grun-de ist doch jeder Österreicher duachåus åuch a bisserl a Wiener") Das spezielle daran ist nicht nur die Novität der Musik, welche frei ist vom "copy-paste" der digitalen Generation, sondern darüber hinaus die Dramaturgie der Songs,  die - in Kombination mit den Texten – (kleine oder auch größere) Geschichten erzählen, die dem Zuhörer der Zuhörerin nicht mehr so schnell aus dem Ohr und dem Sinn gehen. Neben dem Schriftsteller Heinz D. Heisl sind folgende Musiker in dieses Projekt involviert: Hubert Nedwed / Akustik Bass sowie der in Zürich lebende Musiker Heinz Tobler / Akustik Gitarre, Banjo und Mandoline. Einen Vorgeschmack auf die Musik der BaldWiena FolksWaisen geben diverse Videos (OwlsEyeFilm) gedreht in den USA an diversen Orten wie etwa Bolinas CA. oder Boonville CA.; der Schriftsteller Elias Schneitter ist im Übrigen auf sämtlichen Filmen als stummer Schau-spieler / Akteur anzutreffen.
 
 
*Heisls BaldWiena FolksWaisen ist das Werk eines "outlaws" und keinesfalls die eines "outsiders". Im Gegensatz zum "outsider", welcher keine Ahnung von künstlerischen Gesetzen oder Strukturen hat und demzufolge im freien Raum hantiert, kennt der "outlaw" die jeweiligen Strukturen und Gesetze - der Ton- und Wortkompositionen - bis ins Detail und vermag gerade aus diesem Wissen heraus diese zu negieren.
 
 B.W.F.W. 2014
 
 
 

Christine Bardie - Mamage

Christine Bardie - Mamage

 

Christine Bardie - Weihnachten

 

Weihnachtn

 

 

 

Wollte man Weihnachten abschaffen, müsste man erst die Familie abschaffen, sagt Alexander Kluge in einer Überlebensgeschichte. Weihnachten ist ein sozio-virtuelles Ereignis.

Die Liedermacherin Christine Bardie stellt ihre dreizehn Songs unter das im Dialekt heimelig rau ausgesprochene Zauberwort „Weihnachtn“. Dabei ist die Musik unaufgeregt arrangiert, man denkt beim Hören eher an eine Stube als an die Bühne auf der berüchtigten Idalp in Ischgl. Der Sound ist beim ersten Hinhören unauffällig, wie es das Ohr offensichtlich von den Kaufhäusern der Vorweihnachtszeit gelernt hat. Doch dann ist etwas anders zu hören, wo üblicherweise der Klangkörper ausgefiltert ist, kommt er hier allmählich zum Vorschein. Und mitten drin sitzt eine Stimme, die aus einem Konsortium ritualisierter Formulierungen einen individuellen Zugang zum Weihnachts-Flair schafft.

In den Texten greift Christine Bardie auf drei Weihnachts-Welten zurück. Einmal ist es das Individuum, das losgelöst von den Stressfaktoren des Konsums in sich selbst quasi mitten im verschneiten Wald seine Ruhe findet. - „Es riacht wia im Wald!“

Diese Lieder „Weihnachtn“, „He Leit“ oder „Kalt weads heier“ haben etwas von einem euphorischen Blues an sich, da sich das lyrische Ich völlig im Schnee-Geglitzer verliert, um sich darin neu zu entdecken. Im klassischen Sinne könnte man diesen Teil auch eine fröhliche Winterreise a la Franz Schubert nennen.

Eine zweite Komponente bildet sich aus vorhandenen Freude-Ritualen jenseits des Konsums. Hier wird einerseits die Heils-Musik der Kaufhäuser aufgegriffen und mit sanftem Schwung zu einem persönlichen Sinn hinüber gebogen, andererseits werden Begriffe wie Hirten, Sterne, Wunder oder Engel augenzwinkernd verwendet, gleichsam unter gesungenen Anführungszeichen („De Nacht“). - „No nia, no nia, kimmt die Hirtn via, niemals zuvor war der Himmel so schian!“

Ein dritter Zugang sind bewährte Volkslieder, die in ihrem Charme ehrfurchtsvoll zum Klingen gebracht werden freilich mit dem Wissen, dass sich viele realistische Blautöne der modernen Welt zwischen der angesungenen Romantik und dem Gehör eingelagert haben. Beispiele dafür sind etwa das Russian Lullaby oder „Engl auf die Felder singen“.

Imposant an dieser CD „Weihnachtn“ sind die konstruktiven, optimistischen Zweige, die einem beim Durchstapfen der Lieder im Winterwald zärtlich ins Gesicht schlagen. Weihnachten entsteht letztlich in den einzelnen Seelen, lautet so eine psychologisch einwandfreie Botschaft. Christine Bardies Weihnachten verhilft diesen Hör-Seelen zu sich selbst.

 

Christine Bardie: Weihnachtn. 13 Lieder. CD.

Kematen: Topart 2012. EUR 14,-. Gesamtspielzeit 40'40''.

Christine Bardie ( = Christine Federspiel-Heger), geb.1963 in Hall, lebt in Zirl.

Helmuth Schönauer 05/12/12