Elias Schneitter

Elias Schneitter mit Aggie Falk bei einer Lesung im Emerald Tablet in North Beach, San Francisco
Elias Schneitter mit Aggie Falk bei einer Lesung im Emerald Tablet in North Beach, San Francisco

geboren und aufgewachsen in Zirl/Tirol.

Realgymnasium in Stams.

Anschließend verschiedenste berufliche Tätigkeiten: Büroschreibkraft, Souvenirhandel, Canooing-teacher in Sturgeon Lake, Minnesota, Aufsichtsperson  im Olympiamuseum Innsbruck, Projektleiter im Ho-Ruck, damals ein Sozialhilfsprogramm für Haftentlassene, lange Jahre Mitarbeiter in der staatlichen Sozialversicherung, jetzt frei schaffend.

Mitbegründer und Kurator des internationalen Literaturfestivals "sprachsalz" in Hall in Tirol.

Leitung des Kleinverlages Edition BAES. 

 

www.eliasschneitter.com

Werke

Fußball ist auch bei Regen schön

 

Im vorliegenden Buch "Fußball ist auch bei Regen schön" (dieser Titel stammt übrigens vom Schriftsteller Helmuth Schönauer), geht es nicht um den Fußball, bei dem "das große Geld" die erste Geige spielt, sondern um den erdigen, leidenschaftlichen, authentischen Fußball, der nicht die Bodenhaftung verloren hat.

 

Hardcover

84 Seiten

Preis: € 17,90

ISBN-13: 9783950483321

Erscheinungsdatum: 31.01.2020

 

Es gibt so Lebensweisheiten, die muss man sich durch ein intensives Leben erarbeiten. Eine solche Weisheit lautet: Die wahre Kunst findet im Prekariat statt! Eine Gruppierung, die diesem Überlebensprogramm huldigt, sind die Beatniks in allen Varianten. Sie können als Musiker, Schriftsteller oder Fußballkünstler auftreten, stets bleiben sie dem Fußballmotto treu, wonach man sich möglichst am Rand entlang spielen muss, um in Tornähe zu gelangen.

Elias Schneitter ist ausgewiesener Fachmann für prekäre Kunstformen. Sein Reader Austrian Beat versammelt eine Auswahl von Autorinnen, deren Leben an der Kante zum Überleben entlangläuft, wodurch das literarische Werk oft außerhalb der gesellschaftlichen Wahrnehmung zu liegen kommt. Denn auch in der Literatur gilt in Zeiten fossiler Energien die Parole: Ohne Kohle läuft nichts! 

Längst ist die Parallele zwischen Literatur und Fußball dokumentiert, einschlägige Kaliber wie Wendelin Schmidt-Dengler, Klaus Zeyringer oder Franzobel haben die beiden Welten mit ihren eigentümlichen Gesetzen und Vokabeln in Aufstellung gebracht.

Elias Schneitter dokumentiert bereits im Titel seiner Auto-Kick-Biographie, dass es um den irdisch-bodenständigen Fußball geht, um das Kicken der Kids und späteren Aufsteiger in bürgerlichen Berufen, um den Fußball am Rand des Dorfes auf der Gstettn zwischen dem Aushubmaterial der Häuslbauer, um Fußball im Regen eben.

In einer durchgängigen Ich-Erzählung kommt eine typische Underdog-Karriere zum Vorschein. Zu Beginn hat der Erzähler nicht einmal einen eigenen Ausweis und muss unter fremdem Namen und Ausweis zu den Matches antreten. Bei der Siegesfeier freilich schmaust der Ausweisträger die Würstel, die allenthalben als Prämie ausgelobt sind. Die schöne Welt der Brache wird jäh unterbrochen, als der Held ins Internat muss. Wer eingesperrt ist, verliert oft seine Mannschaft, wiewohl gerade Inhaftierte und Internatszöglinge den besten Fußball der Welt spielen.

Später wird der Erzähler ins Ober- und Unterland verschlagen, wo er als Hilfstrainer, Outwachtler und Reserve-Manager in diversen Vereinen reüssiert. Ewig in Erinnerung bleibt eine furchtbare Niederlage, die der Coach mit dem Rücken zum Feld überstehen muss. Noch Jahre später wird er auf der Straße angesprochen und mit jenem legendären Spiel in Verbindung gebracht, bei dem die betreute Mannschaft schließlich auf das eigene Tor schoss, um irgendwie die Zeit bis zum Abpfiff zu überbrücken.

Dramatisch können freilich auch Spielbesuche ausfallen, die der inzwischen Vater gewordene Chronist mit seinem fußballbegeisterten Sohn absolviert. Einmal bricht ein Spieler zusammen und muss mit dem Helikopter abtransportiert werden, ein andermal verwechselt die Kellnerin der Kantine Schnaps mit Spülmittel, was zu horrender Verätzung führt. Der Sohn wird von diesen Ereignissen tapfer abgeschirmt, aber er kapiert, dass Fußball auch mit Tragödien um Leben und Tod zu tun hat.

Die entscheidende Frage für Beatniks-Kicker ist immer jene nach dem Überleben. Der Autor arbeitet mittlerweile bei der Krankenkasse, die um diese Zeit als Zentrum des Beat gilt. Der Direktor ist gleichzeitig Vereinspräsident eines Landesligavereins und stellt seine Mitarbeiter nach den Bedürfnissen der Spielgemeinschaft an. Bei ihm wird nicht ein Stürmer gekauft, sondern jemand in der Krankenkasse angestellt, der stürmen kann. Nach wilden Spielen dürfen die Regio-Stars ihre Blessuren in der Krankenkasse behandeln lassen.

Als Fußball-Historiker hat Elias Schneitter Zugang zu einem gigantischen Fundus an Anekdoten und Kleinschicksalen. Oft genügt es, das Foto einer historischen Mannschaft aufzublenden, und schon springen zu jedem Namen die entsprechenden Erinnerungen an. Mittlerweile ist Elias Schneitter so etwas wie Lebens-Fan beim Wiener Sportclub, dessen Historie mindestens so heftig ist wie jene des FC Wacker in Tirol. Beide Vereine sind längst über dem Zenit der Vereinsgeschichte und somit ideale Leitvereine für das Kicken ohne Sonnenschein.

Im Fußball der sogenannten Niederungen spielen auch Vorbilder und Genies eine große Rolle. Wegen eines genialen Passes in die Weite des Spielfelds wird der Autor plötzlich Löhr genannt, weil dieser in der Deutschen Bundesliga ebenfalls einen solchen Pass geschlagen hatte. Wenn jemand außerhalb des Platzes ein exzessives Leben führt, wird er mit Georgie Best verglichen, den man oft fälschlich für einen Schotten hält, weil man sich als Nordtiroler nichts unter einem Nordiren vorstellen kann. Wenn jemand zum Genie erkoren wird, ist es selbst im Fußball egal, welche Nationalität er hat. (35)

Diese wundersame Geschichte vom Fußball jenseits der Kohle lässt sich am besten mit einem Schweizer Witz abrunden. Beim Literaturfestival in Hall in Tirol erklärt der Schriftsteller Peter Bichsel zu später Stunde, warum der Schweizer Fußball nichts mehr zusammenbringt. 1924 gab es beim Schweizer Fußballverband eine Statutenänderung: Damals wurde das Rauchen auf dem Spielfeld während eines Matches verboten.“

 

Helmuth Schönauer

Austria.Karl

englische Fassung


High Seas

englische Fassung

Moments of a biography in which Giorgio Voghera puts in several appearances

englische Fassung

Des Weiteren bei Edition BAES erschienen:

 

Helmuth Schönauer/Elias Schneitter/Bertram Haid - Das Schnelle zwischen den Beinen ist der BallEine Fußball Radio Reportage (2008)

Elias Schneitter/Bertram Haid - Tirol ist nur eines. Stories (2001)