Peter Giacomuzzi

Peter Giacomuzzi
Peter Giacomuzzi

Geb. 04.02.1955 in Bozen. 1974 - 1981 Studium der Germanistik und Pädagogik in Innsbruck; 1990-2005 Dozent für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität in Tokyo. Lebt in Innsbruck.

 

http://www.petergiacomuzzi.com/

 

Werke

 

ASYL ASYL - Gedichte von Peter Giacomuzzi

Der neue Gedichtband von Peter Giacomuzzi "Asyl Asyl" ist erschienen und erhältlich!!!!!!!!
 
Unser Autor Peter Giacomuzzi gehört zu jenen, die wissen wovon sie schreiben, denn er arbeitet seit Jahren mit und für Flüchtlinge als Sprachlehrer. Stilistisch und formal genau gearbeitet, inhaltlich authentisch und nicht schon wieder so eine recherchierte Scheiße, wie sie inzwischen unter den Autorinnen und Autoren üblich ist.

Frann

 

Peter Giacomuzzi hat achtzehn Jahre in Japan gelebt und an einer Universität in Tokyo unterrichtet. Frann ist seine erste Buchpublikation. In seiner Novela Frann donnern der männliche und weibliche Kosmos aufeinander. Frann verdeutlicht diesen „Zusammenstoß“. Es ist die Verschmelzung und Kurzform von Frau und Mann. Der Text hat phasenweise eine Härte und Brutalität, die für Schöngeister und Romantiker nicht erträglich ist. Dazwischen tauchen surreale, verspielt-versponnene Bilder auf, die erstaunen lassen.

 

104 Seiten

Euro 14.-

ISBN: 9783950270532

Rezension

 

frann

Die kürzeste Geschichte der Menschheit geht vielleicht so: Mann und Frau können nicht zusammenkommen und wenn sie es dennoch tun, entsteht daraus ein Murks.

Peter Giacomuzzi beschreibt in seiner plakativen Novela den Versuch, aus Mann und Frau eine Legierung „frann“ zu schmieden. Zuerst treten die Gender-Helden einzeln auf, dann als gemeinsame Katastrophe.

Im ersten Kapitel Mann ist der Held schon am Ende mit sich und seiner Ehe. Nach endlosen Nächten im Hamsterrad des Trinkens schleicht er sich jeweils heim zu seiner Frau, die wie totes Fleisch im Bett liegt und nichts mehr erwartet. Bei Tageslicht kann er arbeiten, weil er nichts denken muss, eine Sekretärin weiß um ihre Aufgabe, ihn dienstlich erregt und sich selbst aufregend kühl zu halten. Dem Helden schwinden manchmal die erotischen Sinne und die einzelnen Organe machen sich selbständig. Die Lippen der Sekretärin wandern unter den Schreibtisch und machen eine dienstliche Befriedigung. Anders ist diese Welt nicht zu ertragen. Und nach der Bar gehen jeweils zwei betrunkene Geschlechter ihrer Vereinigung entgegen, die sie nie erreichen können. (17) Und dann ist die Frau wirklich tot, wie der Hausarzt feststellt, für den Mann macht das keinen Unterschied, nur dass er jetzt die Kinder am Hals hat.

Im Kapitel von der Frau wird wie in einem psychologischen Protokoll von den Ritualen berichtet, mit denen die Tochter von damals früh auf ihre Rolle als Frau in einem Käfig vorbereitet wird. Der Vater spielt den Strengen, der die Welt durch Schweigen erklärt, der Großvater lässt manchmal ein Stück Herz aus und stirbt, die Mutter arbeitet still, wie es die Welt später auch von ihren Töchtern will. Es wird ihr beigebracht, immer andere zu lieben, nie sich selbst. Und dann zeigt ihr das Leben in allen Varianten, wie es bergab gehen kann. Falsche Männer, Abtreibung, Kinder, Trott, alles geht den Bach hinunter, der Tod ist die einzige Sicherheit.

In „frann“ schließlich zeigt die Gesellschaft, was sie von diesen Vereinigungsmodellen hält. Nach einem ehelichen Geschlechtsverkehr wird gestritten, wer das größere Arschloch sei, die Flausen der Nacht bekommt am nächsten Tag das Büro zu spüren, Frauen werden zu Fickfleisch, Männer landen beim Herumspringen im Herzinfarkt, in routinierten Geschlechterrollen umtanzen einander Mann und Frau wie Raubtiere, die von der jeweiligen Gefährlichkeit des anderen wissen. Frann wird zunehmend zu einer Pfanne, in der die Schmachtenden schmoren, während sie ständig von unsichtbarer Hand umgerührt werden. Letztlich treffen sich Mann und Frau wie Nachrichten auf einem Bildschirm, sie haben nichts miteinander zu tun aber offensichtlich das gleiche Sendeformat.

Peter Giacomuzzi erzählt in kleinen Partikeln und aus einem Guss gleichzeitig. Die einzelnen Sätze lassen sich kaum als solche wahrnehmen, es sind Muren von Erkenntnis, die auf den Leser abgehen. Beängstigend wahr und nur insofern beruhigend, als es offensichtlich eine Sprache gibt, um diese Unglückswucht zu beschreiben. - Elementare Hangrutsche zwischen Mann und Frau!

 
Helmuth Schönauer